Henry Moore – Vision. Creation. Obsession
© Oliver Wolleh
„Wenn du mich fragen würdest, wie ich große Künstler erkenne, so ist es nicht, weil sie gut sind als Zeichner, als Bildhauer oder als Maler. Ihre wirkliche Größe liegt in ihrer Menschlichkeit.“ Henry Moore
Wer den Namen Henry Moore hört, überlegt vielleicht einen Moment, wer dieser Künstler gleich noch war. Wer allerdings ein Bild seiner in Deutschland wohl berühmtesten Skulptur sieht, der weiß sehr schnell um wen es sich handelt, denn aus Henry Moores Händen stammt die Bronzeplastik „Large Two Forms“. Diese steht seit 1979 vor dem (ehemaligen) Bundeskanzleramt in Bonn und aufgrund der politischen Berichterstattung aus Bonn, war das Kunstwerk zwei Jahrzehnte lang allgegenwärtig im deutschen Fernsehen.
Für Henry Moore selbst war der Aufstieg zu einem der bedeutendsten Bildhauer der Moderne sicherlich nicht immer einfach: hineingeboren in eine englische Bergarbeiterfamilie, aufgewachsen während des ersten Weltkriegs, eingezogen und verletzt im Zweiten Weltkrieg. Trotzdem schließt er sein Studium der Bildhauerei ab, reist viel und lässt sich in Paris von Künstlern wie Pablo Picasso inspirieren. Es sind vielfältige und zutiefst unterschiedliche Lebenserfahrungen, welche Henry Moore sammelt. Vielleicht wirken seine Skulpturen deshalb, trotz ihrer Größe, weich und sanft, nicht kantig, nicht mal protzig.
Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck, dessen Namensgeber Hans Arp ebenfalls ein Freund und Inspirator Henry Moores war, lädt noch bis Januar 2018 zu einer Ausstellung Henry Moores‘ außergewöhnlicher Kunstwerke ein. Die besondere Architektur des Bahnhofs Rolandseck, welche Altes mit Neuem verknüpft, die großen, lichtdurchfluteten Räume – in all das fügen sich Henry Moores Skulpturen perfekt hinein. Lediglich die Vermutung, welchen Aufwand es gekostet haben muss, diese Kolosse in die Hallen des Museums zu bringen, lässt den Besucher noch mehr staunen.
Henry Moore war und ist, auch nach seinem Tod, einer der größten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, die Ausstellung über seine Arbeiten beindruckend, und wer die Gelegenheit hat, sollte sie ergreifen und das Museum besuchen.